27 August 2010

II.

Auf den Bus warten in Paderborn


Das ist ja ein Ding, sagte die alte Dame ganz empört beim Anblick eines vorbeiziehenden Militärmarsches zu ihrem Sitznachbarn an der Bushaltestelle. Sowas hat`s früher nicht gegeben, setzte sie fort, aber der junge Mann auf dem Nebenplatz fiel ihr ins Wort, sehr wohl hat`s das gegeben, sogar viel öfter als heute und ob sie denn zugereist sei, fragte er dann noch, könne ja sein.
Nein, nein, seit über sieben Generationen lebe ihre Familie nun schon in Paderborn und alles hätte sie gesehen, zwei Kriege erlebt und drei Männer dadurch verloren, da fiel ihr der junge Mann erneut ins Wort, also, das kann ja nun nicht sein, nur zwei Kriege und drei Männer, außerdem müssen sie ja noch ganz klein gewesen sein beim ersten Weltkrieg, der ist schon lange, lange her, ja, ja. Voller Empörung sprang die Dame von ihrem Sitz und baute sich direkt vor dem jungen Mann auf. Mit erhobenem Haupt und Zeigefinger setzte sie zur Rede an: Mein name ist Elfriede Maria Maiershoff, geboren am 4, Januar 19...., aber just in diesem moment fuhr der Linienbus vor, dessen Dieselmotor so laut brummte, dass die Dame sich selber nicht mehr verstehen konnte, sie machte aber weiter, man ist ja Dame von Welt. Als sie fertig gesprochen hatte war der junge Mann fort, wie auch der Bus. Sie setzte sich wieder auf den Stuhl und wartete beschämt weitere fünfundvierzig Minuten auf den nächsten.