IV.
Machen doch alles die Computer
Auf dem Weg zum Arzt meines Vertrauens stellte ich erschreckt fest, dass ich meine Brille zu Hause auf der Anrichte hatte liegen lassen. Ein schwerwiegendes Problem aufgrund meiner schwerwiegenden Kurzsichtigkeit. Ich beschloß die Augen zu schließen, um nicht weiter daran denken zu müssen, und schon kurz darauf ging es mir besser. Ich betrat die Praxis von Dr. Steinger also wieder völlig gefestigt und wartete. Da ich nicht sah dass keiner vor mir stand wartete ich noch weitere zehn Minuten bis die Sprechstundenhilfe mich sanft am Ärmel zupfte, kann ich ihnen denn irgendwie helfen? Oh, ja sehr gerne sogar, antwortete ich sehr erfreut darüber endlich an der Reihe zu sein, ich habe einen Termin um zehn Uhr dreissig. Ach ja, gerne. Setzten sie sich ins Wartezimmer ich rufe sie dann auf Herr S.. Danke.
Im Wartezimmer wartete eine besondere Überraschung auf mich, da ich ja immer noch nichts sehen konnte, merkte ich jedoch davon erst nichts. Zwei Landminenvertreter faulenzten nämlich gerade auf einer großen Couch und unterhielten sich darüber wie erfolgreich ihr Geschäftsjahr doch wieder verlaufen sei. Neugierig mischte ich mich ein, mich interessierte doch sehr der Grund ihres Arztbesuches, schließlich waren sie Landminenvertreter. Nun, sagte der eine zögerlich, ich habe eine offene Wunde am Arm, nicht weiter schlimm, die Hand find ich aber leider nicht mehr, die muss draufgegangen sein, na, und wer braucht heute denn schon Hände, machen doch alles die Computer. Richtig, sagte der andere, sehr richtig. Und bei ihnen, fragte ich weiter neugierig, was haben sie denn...? Also ich hatte einen kleinen Unfall heute morgen als ich den Wald um den Frankfurter Flughafen vermint habe, wir mussten sehr leise und vorsichtig sein, der Betreiber forderte absolute Diskretion. Leider kamen ein paar Radfahrer vorbei, da war es aber schon zu spät. Der eine hatte ein Taschenmesser in der Tasche, das durch die Wucht der Explosion natürlich in meine Richtung geschossen ist. War es etwa geöffnet, fragte ich, nein, nein, aber die Geschwindigkeit eines Taschenmessers, das gerade aus der Hosentasche eines Mannes fällt, der in diesem Moment auf eine Landmine fährt, ist eine ernsthafte Gefährdung, mir hätte noch schlimmeres, Gott sei`s gedankt, passieren können. Ist nur wenige Zentimeter tief in meiner Bauchhöhle stecken geblieben, nichts weiter. Und der Radfahrer, was war mit dem, fragte ich stutzig. Ha, ha, beide lachten über eine Minute. Wir machen Wertarbeit, echte deutsche Wertarbeit, da geht nichts daneben, niemals. Ich freute mich sehr darüber, das in Deutschland noch was geschafft wird für`s Geld, hoffte auf baldige Besserung der beiden und ging nach Hause. Ich hatte ja nur die Brille vergessen, was sind das schon für Probleme. Vielleicht mache ich bald eine Umschulung zum Landminenvertreter, vielleicht werde ich Paliativmediziner, mal sehen.
27 August 2010
wiedermal:
max kaestner
um
19:49
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